DOWN BY THE RIVER FESTIVAL #3 – 23.07.11

 

 

Von Flussgeistern und Legendenbildung

Unten am Fluss … da passierte in der Musikgeschichte einiges: OTIS REDDING fand seinen größten Hit Sitting on the Dock of the Bay an einer Flussmündung; da wuchsen die wilden Rosen von Nick Cave; Jeff Buckley ging im Wolf River über den Jordan; am Mississippi entspringt einer der größten Arme der Musikgeschichte überhaupt… naja, und den titelgebenden Song von NEIL YOUNG aus dem Jahre 1969 kennt wahrscheinlich fast jeder. Der Ort ist und bleibt für eine Unzahl Musiker inspirierend und schwimmt in ebenso unzähligen Songs herum. Das DOWN BY THE RIVER FESTIVAL fügt der Geschichte dieses Genius Loci wieder ein neues Kapitel hinzu.

Die Protagonisten:
JOEY DEMARCO mit ausgefeiltem Singer/Songwriter-Set aus den Staaten, VIKING MOSES werden für gute Tanzlaune im selben musikalischen Bereich sorgen, CABOUME mit einem Tick westernhaft- und Dixieland-angehauchterem Folk, MY TWO TOMS mit Südstaaten-bluesigem Banjo- und Trompetenklängen. BLUE IN THE FACE tragen mit ihrem deutschen Elektro-Akustik-Experimental-Rock-Tracks zu einer Stilerweiterung bei, die einen vom Mississippi zurück an die Spree holt. STRANDED HORSE ist mit Kora unterwegs auf zart-melancholischen Spuren zwischen JOSÉ GONZALES und TORI AMOS.

JEFFREY LEWIS & THE JUNKYARD hauen mit doppeltem Tempo auf Fidel und Snare in bester Tradition einer Saloon-Bar, in der es gilt, die Cowboy-Stiefel zum Stampfen zu bringen. MARZIPAN MARZIPAN ist wieder weit davon entfernt und doch mittendrin in der Großstadt Berlin unterwegs: mit Kunst-Pop-Lofi-Punk-Synthie-Spuren. CHINAWOMAN ist eine der großen Entdeckungen der Hauptstadt der letzten Jahre – für Fans der düstereren Solo-Künstler-Klänge, eine unglaublich intriguing voice trifft in subtil ausgelebtem Schmerz auf eine ebenso verführerische E-Gitarre. JOHNNY HOUX wird die Gemüter wieder etwas aufheitern, indem er den Countryside-Sound zu einem kühlem Bier beisteuert und dabei sicherlich nicht zufällig unüberhörbare ‚Assoziationen‘ an Bob Dylan aufkommen lässt. CAT N GUY – again the other side: capital-electro-city-slam. Auch wer nicht auf PEACHES und Konsorten steht, wird an diesem Duo Gefallen finden können. Wer’s mag, erst recht.

DAGOBERT als Exil-Berliner aus der Schweiz sozusagen im Heimspiel mit deutschpoetischen (zeitgenössischen!) Heimatliedern – ja, Tradition und Postmoderne lassen sich vereinen. Vielleicht ein neues Genre irgendwo zwischen Hinterlandromantik und Großstadtsehnsucht. THE DAPPER CADAVERS sind ein Geheimtip für authentischen Louisiana-Sound junger Generationen – tiefblauer doppelstimmiger Frauengesang und Geige mit Kontrabass … wer sich noch an MAGNOLIA BEACON erinnern kann, wird hier wehmütig glücklich werden. MARY OCHER benutzt Klavier und Stimme ganz ähnlich wie COCO ROSIE, nur eine angenehme Oktave tiefer ist bei ihr durchaus drinnen. CAMERA, die Berliner Untergrundband, die bisher fast überall uneingeladen zum Spielen aufkreuzte aber dank ihres hervorragenden Grunge-Rock spätestens nach einer Minute nirgends unwillkommen sein kann. JULIA WILTON präsentiert eine Mischung aus Coversongs, 60ies und Elektro-Beats. SAM DALE ist wieder ein britischer Artist in Residence – auf den Straßen Berlins mit Folk und Trash unterwegs.

Die Handlung:
Hängt ganz davon ab, ob man ein Festival zu entdecken weiß oder nicht und wie man sich darin bewegt.

Der Rahmen:
Die geniale Idee der Veranstalter einfach ein Mixtape auf die Homepage zu stellen, erlaubt dem geneigten aber noch unentschlossenen Besucher sich vorab ein Hörbild zu verschaffen. Außerdem gibt es dort noch weitere Infos zu den Künstlern und ein bisschen Hintergrundwissen zur Festivalreihe und den Veranstaltern „Four Track On Stage“ und „amSTART“. Wer vom akustischen Eindruck allein noch nicht überzeugt ist, der kann sich ja noch den Wetterbericht anschauen und auch mal kurz überschlagen, wieviel ein Act hier bei 15 Euros für 18 Bands kostet!

Nachdem es sich um ein Hörstück handelt, sollte der Lektüre am besten der Gang zum Fluss folgen, um die Geschichte dann live zu erleben!

(Diese Rezension erschien zuerst auf Popmonitor.berlin.)

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DOWN BY THE RIVER FESTIVAL
Samstag 23.07.11 | KATER
Tickets: VVK 15 EUR, Abendkasse 16 EUR
http://www.berlinsongs.com/downbytheriver

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