Postcard from London | Live: EFTERKLANG

 

 

Musik jenseits des Mainstreams

Großartig! Ganz herrlich war dieser Konzertabend im Barbican in London am Montag, 30. Oktober. EFTERKLANG (Mads Brauer, Casper Clausen, Rasmus Stolberg) treten auf ihrer Piramida-Tour mit einem Chor aus drei Damen, dem 31-köpfigen Northern Sinfonia Orchester unter Dirigent André De Ridder, Drummer BUDGIE (Siouxsie and the Banshees) und PETER BRODERICK am Piano auf. Was für ein Augen- und Ohrenschmaus!

Eine verzaubernde Mischung aus Pop, Klassik und Electronica ist dem dänischen Trio auf seinem aktuellen Album Piramida gelungen. Und live wird daraus eine beeindruckende Klangfülle: statt Synthesizer spielen Streicher; Drums werden von Percussion unterstützt; eine Stimme wird zu einem Chorgesang. Die Energie und Spannung zwischen Band, Orchester und Chor hebt das ganze Album in eine nahezu andächtige Höhe und verwöhnt Ohr und Herz in allen Facetten, die nur echte Instrumente im Zusammenklang erzeugen. Das spielt jede Stimme nur einige Noten, muss sich oft minutenlang in Stille zurückhalten und erst im Zusammenklang dieser einzelnen Tonspuren entsteht ein Song, ein Stück, das viel größer ist als eine einzelne Melodie – und als die Albumversion der Songs. Dementsprechend traten Clausen und Stolberg während der minutenlangen instrumentalen Parts an den Bühnenrand und verwandelten sich von Performern in Zuhörer, die dem Orchester huldigten.

Das Barbican, ein Veranstaltungsort vielleicht vergleichbar mit dem HKW + Volksbühne + Arsenal Kino in einem Gebäude. Was für ein fantastischer Sound – so machen das Profis, die sich nicht an den hörgeschädigten Ohren von Techno-Club-GängerInnen orientieren. Da hörte man jede Feinheit des Drummers auf den Becken, jede Taste des Klaviers, jeden Schlag des Marimbaphons, jedes Zupfen von Violine, Viola, Cello oder Bass und alle Stimmen von der Querflöte über das Horn zu den Trompeten und Posaunen.

Nach dem letzten Song gibt es im restlos ausverkauften Barbican auf Anhieb stehende Ovationen. EFTERKLANG haben zwei Stücke mit dem Orchester als Zugabe geprobt: ‘Monopolist’ vom Album Tripper> und den Hit ‘Modern Drift’ von Magic Chairs. Bei letzterem steigt Casper Clausen dann gestützt von Zuschauern über die Rückenlehnen von der Bühne in die dritte Reihe, das Licht im Saal scheint auf und, als ob das Publikum die Choreographie eingeübt hätte, steht der gesamte Saal auf, die Sitznachbarn um Clausen steigen auch auf die Sitze und alle klatschen (im Takt!) bis zur letzten Note. Ja, das war schon etwas episch, aber ganz ohne Kitsch und gekünsteltes Pathos. Es entsprach einfach der warmen, publikumsnahen Stimmung an diesem Abend.

Music Beyond Mainstream, so nennt sich das Netzwerk, welches diese Tour ermöglicht. Und alle die sich von diesem Slogan angesprochen fühlen, sind gut beraten, sich den Auftritt in Berlin anzuhören. Da kann man einmal miterleben, wie im Pop heute noch wirklich Musik geschrieben und komponiert wird. Wie aus den Tonfetzen und Synthesizer-Sounds, die am Anfang dieses Albums standen, plötzlich eine Electronica-Platte wurde, die live für ein Orchester arrangiert ist. Nur eins: die Platte wird es immer geben – diese dichte Live-Version nicht!

(Diese Rezension erschien zuerst auf Popmonitor.berlin.)

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EFTERKLANG live am Mittwoch, 5.12.2012
Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz
20 Uhr, Abendkasse 20 Euro

EFTERKLANG
Piramida
(4AD/Beggars Banquet)
VÖ: 20.9.2012

www.efterklang.net
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