Postcard from London | Live: ALABAMA SHAKES

 

 

Absolutely amazing and awesome – ein neuer Stern am Himmel

What the … !? Unbelievable. Großartig. Unfassbar. Mind-blowing. Just brilliant! Und ich dachte, mich kann überhaupt nichts mehr überraschen und beeindrucken. ALABAMA SHAKES aus Athens, Alabama, haben eben als Gast-Act im Rahmen der NME-Awards ihre erste ausverkaufte London-Show gespielt und ich stolpere durch die Nacht und versuche mich zu erinnern, wann ich zuletzt ein so überwältigendes Konzert-Erlebnis hatte. Zumindest frag ich mich wofür ich letzte Woche 35 Pfund gezahlt habe, um die BLACK KEYS zu sehen, deren solid-gute Leistung mir jetzt gerade wie eine Schlaftablette in zu großer Verpackung vorkommt.

ALABAMA SHAKES spielen nicht einfach ihre Stücke live, oh nein … sie machen ein Konzert zu einem Ganzkörper-Erlebnis, dass einem fast die Sinne schwinden, ohne dass sie mehr tun, als einfach ihre Stücke zu spielen. Genau das soll ein Konzert geben: unterhalten, aufheizen, zum Tanzen bringen, berühren – ach ja, und fantastische Musik spielen. Die Soul-Rock’n’Roll-Blues-Gegenwarts-Kombination ist eine Wonne für alle Liebhaber echter, guter Gitarrenmusik. Jede Körperfaser wird elektrisiert und sinnlich angesprochen und nicht nur Alabama, sondern garantiert jeder Konzertraum wird beben, wenn diese Band die Bühne bespielt.

BRITTANY HOWARD, Sängerin, Gitarristin und Songwriterin von ALABAMA SHAKES ist die Definition von ‘Dedication’ (Hingabe) und, wenn man an diesen Begriff überhaupt glauben möchte, vielleicht auch ‘Genie’. Denn in absoluter Selbstvergessenheit wirkt durch ihren Körper eine Inspiration, die den Zuhörer und –schauer wahrscheinlich mehr beglückt, als sie selbst sich jemals bewusst sein könnte. Es kann nicht gelingen, die Energie dieser Frau in Worte zu fassen: sie schreit, sie singt, sie heult; sie formt jeden Ton, fühlt jede Note und füllt jedes Wort mit einer Hingabe und Leidenschaft, die keine Hemmungen und Grenzen kennt. Und wie sie nebenher Gitarre spielt, die Band zieht und übrigens eine irre gute Stimme hat – einfach grandios! Alle großen Namen der Musiksezen, die sich Frontmensch einer Band betiteln, sollten in einen Van gekarrt und in die erste Reihe eines ALABAMA SHAKES-Konzert verfrachtet werden, um eine Lektion in Sachen Bandleader zu nehmen. So gibt man sich einem Publikum und nimmt es wahr, ohne Selbstgefälligkeit, ohne anderes als die Musik in den Vordergrund zu stellen! Ich sehe und höre JANIS JOPLIN, JIMI HENDRIX und WILSON PICKETT kurz vor dem inneren Auge und Ohr. Aber während jene eine Flasche Whiskey brauchte, der mittlere wahrscheinlich live immer auf Drogen sein musste, und der letzte trotz allem musikalischen Sex-Appeal in seinem aggressiven Ego-Trip schwer als sympathischer Charakter zu akzeptieren ist, reicht BRITTANY eine Wasserflasche und ihre Musik. Ansonsten gibt es keine Accesoires, keine Show und kein Gepose – und das gilt für die ganze Band. Ablenkung ist halt nicht nötig, wenn der Inhalt so überzeugend für sich selbst spricht.

Und wenn vier Musiker fast ein ganzes Konzert über mit geschlossenen Augen auf der Bühne stehen und ohne sichtbare Kommunikation hundertprozentig tight im Zusammenspiel und synchron in Dynamik, Spannung und Flow sind, dann muss die Chemie stimmen. Und dieser Funke springt unaufhaltsam auf das Publikum über. Die britische Audienz ist mitunter etwas kühl und kurz angehalten im Applaus. Aber nachdem BRITTANY HOWARD, ZAC COCKRELL, STEVE JOHNSON, HEATH FOGG und BEN TANNER (Live-Keyboard) die Bühne verlassen haben, tobt und stampft der Saal und die Menge ergeht sich in minutenlangem Johlen, Pfeifen und ‘Play One More’-Rufen, bis ALABAMA SHAKES unter Jubel nochmals zwei Zugaben spielen.

Vollkommen egal, wie mensch zu Soul oder Rock’n’Roll steht und ob die Stücke in der Album-Version überzeugend genug wirken mögen. Das muss man live erleben und am besten ganz nah an der Bühne. Wer sich mal wieder etwas außergewöhnlich Gutes gönnen möchte, sollte diese Chance nicht verpassen. Augen, Ohren und vor allem Seele werden es endlos danken – das ist ein Versprechen!

Das Album <i>Boys & Girls</i> erscheint am 9. April, die selbstbetitelte Debüt-EP des letzten Jahres ist nicht mehr erhältlich. ALABAMA SHAKES geben ihr Deutschland-Debüt im April in Hamburg und Berlin.

(Diese Rezension erschien zuerst auf Popmonitor.berlin.)

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Freitag, 27.4.2012, 21:00 // MAGNET
ALABAMA SHAKES (US) + Support (tba)
Vorverkauf 12 Euro, Abendkasse: tba

ALABAMA SHAKES
Boys & Girls
(Rough Trade Records)
VÖ: 9.4.2012

http://www.alabamashakes.com
http://www.twitter.com/Alabama_Shakes
http://www.myspace.com/AlabamaShakes

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