THE MEGAPHONIC THRIFT – Debütalbum

 

 

Chaos + naive Schönheit = Harmonie im Kontrapunkt

Das Fazit vorneweg: Nicht unbedingt originell, aber fast original – mitreißend und herzerwärmend für 90er-Shoegaze-Liebhaber. Welcher Künstler wird schon gerne verglichen? Na gut, aber die Einflüsse von THE MEGAPHONIC THRIFT sind nicht nur deutlich hörbar, sondern werden auch so offenkundig zitiert, dass es zur Beschreibung ihrer Noisepop-Postpunk-Melange hilfreich ist, sie zu benennen: die elektrisierend-konfuse Energie von SONIC YOUTH-Eskapaden vereint sich da mit der genialischen Pop-Adoleszenz von DINOSAUR JR. und dem Glam von MY BLOODY VALENTINE. So weit, so bekannt. Aber, wie jeder auch weiß: die Mischung macht’s! Und die gelingt auf The Megaphonic Thrift im Geist vergangener Tage, aber mit zeitgenössicher Note.

Die selbstbetitelte zweite LP des norwegischen Quartetts begeistert durch die Melodie-Bessessenheit im Songwriting. Wie auch der Vorgänger <i>Decay Decoy</i> aus dem Jahre 2010 setzt man auf wenige aber durchdachte und wohl komponierte Elemente: treibende Rhythmen und eine straighte, Lead-Bassline lassen Gitarren- und Gesangs-Arrangement ein breites Experimentierfeld. Und durch alles Quietschen, Schnarren und Pfeifen der Effektkanäle hindurch dringen die Akkorde und Stimmen dann umso klarer und gekonnt mit Harmoniefolgen, für die jeder Pop-Songwriter Morde begehen würde. Den Song [URL=http://soundcloud.com/megaphonicthrift/raising-flags/]’Raising Flags’ [/URL] gibt es vorab im Stream.

Was auf der einen Seite wie eine Hommage an die Perlen amerikanischer Anti-Mainstream-Gitarrenmusik der 90er anmutet, hat auf der anderen Seite als Stil-Entwicklung auch etwas anti-reaktionäres. Weil es in den Shoegaze-Gefilden ja zum Glück noch nie so etwas wie einen Overkill oder eine alles totspielende Modewelle gab, will heißen: man kann dieses Genre immer wieder neu entdecken. Und auch die Konzerte von THE MEGAPHONIC THRIFT sollen durch Instrumenten-Missbrauch in bester Tradition zum Wiederaufleben dieser freigeistigen, vom Konfomitätszwang befreiten Stimmung beitragen. Wer die pessimistisch-naiv-hingebungsvolle Attitüde der 90er also mit dem aktuellen Alter Ego vereinen kann, wird von <i>The Megaphonic Thrift</i> angenehm sentimental im Herzen berührt werden.

Das Video zum Album-Opener ‘Tune Your Mind’ spricht für sich selbst:

(Diese Rezension erschien zuerst auf Popmonitor.berlin.)

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Dienstag, 27.03.2012
Live: THE MEGAPHONIC THRIFT (NO)
Privatclub, 20:00
Abendkasse 14 Euro

THE MEGAPHONIC THRIFT
The Megaphonic Thrift
(Club AC30/Verstärker)
VÖ: 17.02.2012

www.myspace.com/megaphonicthrift
www.facebook.com/megaphonicthrift
http://soundcloud.com/megaphonicthrift
www.clubac30.com
www.verstaerker.com

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